Kathrin Meyer
Kathrin Meyer
Entwurf › Braumeister

Kathrin Meyer

Bier Sommelière

Ein regional gebrautes Bier, ist wie ein Gedicht. Handwerkskunst verdichtet Mentalität, Identität und Gefühle der Brauer und der Menschen einer Region. Regionale Marken und Produkte erzählen Geschichten, die den Genuss verstärken.

Sie bieten Transparenz und schaffen so Sicherheit und Vertrauen. Regionalität fördert den Gemeinsinn und stiftet so Identität. Im individuellen Geschmack jeder Region spiegeln sich Wasser, Luft, Erde und die Gebräuche der Gegend.

Meine früheste Erinnerung an Bier stammt aus der Kindheit. Ich war vier Jahre alt und begleitete meinen Vater das allererste Mal zur Temperaturkontrolle, "zum Gradieren" in den Gärkeller unserer Brauerei.

Mein Vater ist Braumeister, sein Vater war auch Braumeister und der Vater meines Großvaters war auch Braumeister und dessen Vater ... Das Bier liegt unserer Familie sozusagen in den Genen. Man kommt dem Bier nicht aus und das meine ich so, wie ich es schreibe.

Eine enge, steile Treppe führte zu unserem Gärkeller. Ich hatte Mühe mit meinen kurzen Beinen die Stufen hinaufzuklettern. Oben angekommen, öffnete ich die Türe und mir flog ein kalter, eigenartiger, frischer Duft in die Nase. Alles neu und aufregend für eine Vierjährige.

Vor mir lag ein gelb gefliester, enger Gang, links und rechts davon riesige Schwimmbecken, die bis zum Rand mit Flüssigkeit gefüllt waren. Was konnte das sein, dachte ich mir.

Mein Vater hob mich hoch, damit ich in einen gefüllten Bottich schauen konnte. Er erklärte mir: "Wenn die Leute das alles leer trinken, sind sie lustig und wir zufrieden!"

Berge mächtiger, brauner Schaumkronen lagen vor mir und ich konnte es mir nicht verkneifen mit dem Zeigefinger in eine dicke Schaumkronen hineinzulangen und dran zu schlecken. Aber es schmeckte scheußlich. - Wie man von so einem fürchterlichen Geschmack lustig werden sollte, war mir ein Rätsel. Nach meinem Erlebnis im Gärkeller hab ich das Interesse am Bier verloren.

Mit 15 wollt ich's dann doch wissen. Bei uns im Ort war Viehscheid und ich wettete mit einem unserer Bierfahrer, dass ich drei Maß trinken könne, ohne die Fassung zu verlieren. Nach zweien lag ich hinterm Zelt und übergab mich. Meine erste Liaison mit dem Bier ging damit "voll in die Hosen“.


London's calling

Da ich nie vorgesehen war für den elterlichen Betrieb, hab ich das Treiben um unsere Brauerei immer aus der Ferne beobachtet. Beruflich orientierte ich mich anderweitig. Nach dem Abitur ging ich nach Amerika und anschließend nach London zum Studieren. Grafik und später eine Anstellung beim Britischen Fernsehen ITV.

In der Inselmetropole entdeckte ich "Bier" noch mal auf eine ganz andere Art und Weise. Fernab der Allgäuer Bergen lernte ich Biersorten wie "Porter", "Ale" und "Stout" kennen. Ich war begeistert von der "Biervielfalt", die sich am britischen Tresen präsentierte und von der Selbstverständlichkeit des Biergenusses.

Jung und alt, reich und arm, Studenten, Philosophen und Dockarbeiter saßen im Pub zusammen und tranken. Man ratschte, lachte und streitete. "Bier führt die Menschen zusammen. BIER IST KOMMUNIKATION!" sagte mir ein Pubbesitzer aus dem East End. Das gefiel mir.

Damals dachte ich, warum kann man so fantastische Biere nicht auch im Allgäu brauen?! Aber es kam erst mal alles ganz anders.

Nach mehreren Entscheidungsphasen haben wir im Jahr 2009 den Brauereibetrieb verkleinert und den Vertrieb der Biere abgegeben.

Aufwind

Drei Jahre hat es gedauert, bis sich meine Schwester Stephanie und ich ein Herz fassten, um in das Thema "Bier" einzutauchen.

Wir haben uns der Vielfalt, dem Handwerk, des Bierbrauens und dem Aroma verschrieben. So entstand die Brau-Manufactur Allgäu.

So entstand die Brau Manufactur Allgäu.